Die Veganisierung der Welt: Eine mögliche Strategie

Dieser Beitrag erschien am 29. September 2015 auf veganstrategist.org unter dem Titel How to veganize the world: one possible strategy.

Autor: Tobias Leenaert
Übersetzung: veganeÜBERzeugung
Übersetzung auch auf veggie.de erschienen.

Dies ist ein etwas längerer Beitrag, der die in diesem Vortrag [englisch] vorgestellte Strategie zusammenfasst. Dieser Artikel ist zuerst auf Französisch hier erschienen.

Wie man die Welt „veganisiert“

Es ist sicherlich plausibel anzunehmen, dass Leser dieses Textes der Meinung sind, dass in einer idealen Welt — abgesehen von vielen anderen Veränderungen — Tiere nicht für menschliche Zwecke benutzt würden, sei es für Essen, Kleidung, Forschung, Unterhaltung, oder was auch immer. Kurz gesagt: eine ideale Welt ist eine vegane Welt.

Können wir jemals eine vegane Welt erreichen? Derzeit sieht es nicht so gut aus. Laut Melanie Joys „drei Ns der Rechfertigung“ wird Fleisch als natürlich, normal und notwendig aufgefasst. Und um noch zwei Ns hinzuzufügen: Fleisch ist nett (lecker) und nicht das erste und einzige, was uns beschäftigt. Außerdem wird erwartet, dass die Nachfrage nach Fleisch, Milchprodukten und Eiern in den nächsten Jahrzehnten stark steigen wird, bedingt durch die höhere Kaufkraft von Menschen in Schwellenländern wie zum Beispiel China und Indien, die gemeinsam bereits ein Drittel der Weltbevölkerung ausmachen.

Dennoch bin ich optimistisch. Ich denke, eine vegane Welt ist machbar (obgleich dies natürlich davon abhängt, was genau man unter einer veganen Welt versteht, aber darauf möchte ich hier nicht weiter eingehen). Die Frage ist nun: wie erreichen wir dieses Ziel?

Die offensichtlichste Möglichkeit und die Strategie, die von den meisten Veganern, Tierrechtsaktivisten und Organisationen angewandt wird, ist simpel: sie versuchen, so viele Menschen wie möglich zu überzeugen, Veganer zu werden, indem sie ihnen erklären, dass Tiere leiden und dass sie Respekt oder gar Rechte verdienen. Dieses Vorgehen ist ein wichtiger Teil unserer Strategie, aber es ist definitiv nicht der einzig notwendige Teil und möglicherweise nicht einmal der wichtigste. Ich denke, dass das Bemühung um die gesellschaftliche Anerkennung von Tierrechten die größte Herausforderungen unter allen vergleichbaren Anstrengungen ist. Um den Kampf zu gewinnen, benötigen wir verschiedene Taktiken. Bevor ich auf diese eingehe, sehen wir uns an, wieso diese Bemühungen so schwierig und anders sind.

Der Kampf um Tierrechte ist anders

Wir lieben es, die Bewegung für Tierrechte mit den Anliegen diverser Menschenrechtsgruppen zu vergleichen, sei es die Abschaffung der Sklaverei, die Befreiung der Frau, Anti-Rassismus, und so weiter. Trotzdem ist es wichtig zu realisieren, dass bei allen Gemeinsamkeiten auch große Unterschiede bestehen. Zuallererst sind in unserem Fall die Aktivisten nicht identisch mit den Opfern. Wir, die Unterstützer, sprechen für Wesen, die nicht für sich selbst sprechen können. Und wir sind derzeit noch eine relativ kleine Gruppe. Die öffentliche Unterstützung für unsere Sache ist bei weitem geringer als sie für die Rechte von beispielsweise Schwarzen oder Frauen war oder ist. Dies liegt eben genau daran, dass in diesen Fällen People of Colour oder Frauen ein wichtiger Teil des Protests waren oder sind. In den Worten des Autors Norman Phelps: „Wir versuchen die erste Bewegung für soziale Gerechtigkeit in der Geschichte zu sein, die ohne die organisierte und bewusste Mitarbeit der Opfer Erfolg hat.“

Man sollte auch das unglaubliche Ausmaß beachten, in dem unsere Gesellschaft von Tierprodukten abhängig ist. Die meisten Menschen, insbesondere in der westlichen Welt, konsumieren mit jeder Mahlzeit Tierprodukte: drei Mal am Tag, jeden Tag. Große Teile der Volkswirtschaft hängen vom Konsum tierischer Produkte ab, darunter Teile der Kleidungs- und Unterhaltungsindustrie, sowie der Forschung. Wir sind in den Gebrauch — beziehungsweise Missbrauch — von Tieren viel mehr eingebunden, als wir es wahrscheinlich jemals in den „Gebrauch“ von Schwarzen, Frauen oder Kindern waren. Es ist offensichtlich, dass ein solches System extrem träge ist. Dies sollten wir im Hinterkopf behalten.

Es gibt noch einen anderen Grund für Trägheit: das Verhalten, das wir in erster Linie zu verändern suchen, ist Essverhalten. Unsere Ernährungsgewohnheiten sind tief in uns verwurzelt, vielleicht mehr als irgendetwas sonst. Was wir essen ist verbunden mit emotionalen und psychologischen Faktoren. Man kann von Essen abhängig werden und so vergleichen einige Wissenschaftler das Suchtpotential mancher Nahrungsmittel oder Zutaten mit dem von harten Drogen. Wenn es ums Essen geht denken wir nicht mit unserem Verstand, sondern mit unseren Geschmacksnerven und unserem Magen. Das Essen von Fleisch ist seit Hunderttausenden von Jahren Teil unserer Geschichte und viele Menschen erleben ein sehr starkes Verlangen danach.

Auf der anderen Seite wird unsere Herausforderung dadurch erschwert, dass es unsere Gegner sehr einfach haben: ihre Botschaft (dass es okay ist, Fleisch zu essen; normal, gesund, etc.) ist genau das, was der Großteil der Öffentlichkeit hören will. Es ist diese Botschaft, die die Industrie mit ihren Milliarden von Euro an Werbebudget in die Welt bringt.

All diese Faktoren — sowie andere — sollten wir beachten, wenn wir Strategien für unsere Bewegung und für eine vegane Welt entwerfen. Das soll nicht heißen, dass kein Vergleich gezogen werden sollte, oder dass es keine Ähnlichkeiten gäbe. Doch es bedeutet, dass wir nicht voreilige Schlüsse aus dem, was in anderen sozialen Bewegungen geschehen ist, ziehen sollten. Wir betreten großteils Neuland.

Moralische und nicht-moralische Faktoren

Wenn wir uns die Faktoren anschauen, die Individuen (und die Gesellschaft als ganzes) beeinflussen, vegan zu werden oder Schritte in Richtung Veganismus zu unternehmen, können wir folgende Unterscheidung treffen: es gibt moralische Faktoren und nicht-moralische Faktoren. Mitgefühl mit Tierleid und -schmerz ist das wichtigste moralische Argument, das wir nutzen. Wir hoffen, dass die Menschen ihr Verhalten ändern, wenn sie das Los der Tiere, die sie essen, in ihre Überlegungen miteinbeziehen. Nicht-moralische Faktoren sind Faktoren, die Menschen ebenfalls motivieren können, vegan zu essen oder zu leben, aber für sich genommen nichts mit Moral zu tun haben. Das Umfeld, beispielsweise, in dem Menschen ihr Essen zu sich nehmen, kann dazu führen, dass sie vegan essen oder nicht. Ein wunderbares Angebot großartig schmeckender Fleisch- und Milchproduktalternativen kann Menschen dazu bringen, sie auszuwählen, ohne dass sie an die Tiere, die davon betroffen sind, denken. Auch Überlegungen zur eigenen Gesundheit sind ein solcher nicht-moralischer Faktor (obwohl ich sie niemals als „egoistisch“ bezeichnen würde, was manche tun).

Wir glauben, dass moralische Faktoren am besten funktionieren

Unsere Bewegung konzentriert sich vor allem auf moralische Faktoren. Wir verbringen viel Zeit damit, den Leuten zu erklären, dass Tiere Empfindungen haben, dass sie ein Recht auf Leben haben, und so weiter, und sagen, dass das Grund genug für sie sein sollte, ihre Ernährungsgewohnheiten zu ändern.

Warum fokussieren wir uns auf diese moralischen Faktoren? Zum Teil weil wir glauben, dass dies das effektivste ist, was wir tun können. Und wir glauben an die Effektivität dieser Argumente, weil sie es waren, die die meisten von uns dazu gebracht haben, Vegetarier oder Veganer zu werden. Nichtsdestotrotz bedeutet die Tatsache, dass wir von diesen Faktoren beeinflusst wurden, nicht, dass es anderen genauso ergehen wird. Wäre dem so, gäbe es offensichtlich schon jetzt sehr viel mehr Veganer. Man könnte die derzeitigen Vegetarier und Veganer (die nicht mehr als ein paar Prozente der Bevölkerung ausmachen) als innovators und early adopters laut der Diffusionstheorie (diffusion of innovation) begreifen. Es ist durchaus vorstellbar, dass der Rest der Bevölkerung (die sogenannten early und late majorities und natürlich die laggards) andere Methoden benötigt um überzeugt zu werden, denn er besteht aus Menschen die sich von uns unterscheiden und z.B. andere Interessen haben. Kurz gesagt sollten wir bei unseren Kampagnen immer eine Sache im Hinterkopf haben: dass wir nicht identisch mit unsere Zielgruppe sind.

Die richtige Sache aus den richtigen Gründen?

Wir glauben nicht nur, dass die moralischen Argumente gut funktionieren. Wir wollen auch, dass sie gut funktionieren und wir wollen dass die Menschen von diesen moralischen Faktoren überzeugt werden und nicht von etwas anderem. Wir wollen, dass die Leute aus den richtigen Gründen Veganer werden, d.h. der Tiere wegen. Ich vermute, der Grund ist, dass wir glauben, dass nur Menschen, die die Tiere kümmern, einen echten und bleibenden Schutz für sie liefern. Wir bezweifeln, dass eine vegane Welt jemals nur durch eine großen Zahl von Gesundheits- und Gourmetveganern zustande kommen kann — aus gutem Grund. Es mag noch andere, persönlichere Gründe geben, aber ich will nicht mit Psychoanalyse anfangen.

Weil wir also (1.) denken, dass ein Schwerpunkt auf moralischen Argumenten funktioniert und (2.) weil wir wollen, dass die Leute das richtige aus den richtigen (moralischen) Gründen tun, hat sich unsere Bewegung in den letzten Jahrzehnten explizit darauf konzentriert.

Das Problem mit moralfokussierten Kampagnen ist jedoch, dass sie nicht ausreichen. Eine Sache, die wir durchaus von anderen sozialen Bewegungen lernen können, insbesondere von den Sklavereigegnern (und dies ist eine Parallele, von der ich glaube, dass wir sie ziehen können), ist, dass der Kampf nicht mit moralischen Argumenten alleine gewonnen wird. Die Sklaverei in Nordamerika wurde nicht nur erst durch einen Krieg beendet. Auch andere Dinge waren entscheidend, wie die Erfindung der Dampfmaschine, die bestimmte Prozesse automatisieren und damit billiger als Sklavenarbeit machen konnte.

Moral alleine reicht nicht aus

Im Falle der Tierrechtsbewegung sind diese nicht-moralischen Faktoren vielleicht noch wichtiger. Wenn man das moralische Argument nämlich logisch bis zum Ende denkt, folgt daraus, dass wir die Pflicht haben, immer und überall Produkte tierischen Ursprungs zu vermeiden (wir beschränken uns hier auf Nahrung), selbst wenn dies dazu führt, dass wir für den Rest unseres Lebens nur Brot und Wasser zur Verfügung haben. Moralisch würde das Sinn ergeben und viele Veganer würden tatsächlich ihrer Überzeugung treu bleiben, selbst wenn das bedeutet, dass sie tatsächlich nur Wasser und Brot zu sich nehmen könnten. Dennoch ist es leicht vorstellbar, dass jeder Fortschritt in der Entwicklung von alternativen Produkten (sowohl was Qualität, als auch was Quantität und Verfügbarkeit angeht) es einfacher macht, ein Stück in der Entwicklung Richtung vegane Welt voranzuschreiten. Anders ausgedrückt: je besser und größer das Angebot an Alternativen zu Tierprodukten, desto weniger moralische Motivation ist notwendig. Dies ist gut für uns, da wir weder die Motivation der anderen unter direkter Kontrolle haben, noch ihr Mitgefühl oder ihre für den Wandel notwendige Disziplin.

Verhaltensänderungen können dem Überzeugungswandel vorausgehen

Für diejenigen, die wollen, dass die Leute aus den richtigen Gründen vegan werden und sich um die Tiere Gedanken machen, gibt es trotzdem eine gute Nachricht: ein Wandel inder Überzeugung kann auf eine Änderung im Verhalten folgen. Lassen Sie mich dies erklären. In unserer Bewegung arbeiten wir, wie in den meisten sozialen Bewegungen, üblicherweie so: wir wollen die Einstellungen und Annahmen der Menschen über etwas verändern und hoffen, dass dieser Haltungswechsel sie dazu bringt, ihr Verhalten ebenfalls zu ändern. In unserem Fall versuchen wir die Einstellung gegenüber Tieren durch Informationen zu verändern, zum Beispiel Informationen darüber, dass Tiere empfindungsfähig sind, leiden können, Rechte und Respekt verdienen, und so weiter. Wir hoffen, dass die Adressaten dies verstehen und dann den nächsten Schritt tun, d.h. aufhören, Tierprodukte zu essen. Manchmal funktioniert das auch, aber wahrscheinlich nicht häufig genug. Nicht nur sind wir nicht in der Lage, alle Menschen dazu zu bringen, sich für das Tierleid zu interessieren (wir haben wenig Kontrolle über ihr Mitgefühl). Darüber hinaus werden einige (vielleicht viele) Menschen, die tatsächlich Mitgefühl entwickelt haben, ihr Verhalten nicht ändern — dies bezeichnet man als die Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten (attitude-behaviour gap). Tatsächlich können wir wohl davon ausgehen, dass die meisten Menschen sich sehr wohl darum sorgen, was mit Tieren z.B. in Tierfabriken geschieht. Dennoch sind die meisten Menschen keine Veganer: sie übertragen ihr Mitgefühl nicht in ihr Handeln. Dafür gibt es viele Gründe, aber zweifellos ist einer der wichtigsten, dass es im Allgemeinen nicht „bequem“ genug ist, dies zu tun.

Wenn jemand aber zuerst sein Verhalten ändert (d.h. ohne seine Überzeugung zu ändern), kann diese Verhaltensänderung seine Einstellung beeinflussen. Vielleicht fällt Ihnen die Parallele zu dem auf, was ich zuvor schrieb über moralische Gründe und nicht-moralische Gründe. Menschen können ihre Ernährungsgewohnheiten aus nicht-moralischen Gründen ändern: vielleicht gibt es in ihrem Umfeld sehr gutes veganes Essen, vielleicht kocht jemand anderes täglich für sie. In Zukunft gibt es womöglich überall vegane Alternativen. In manchen Situationen könnte veganes Essen die naheliegendste Option sein und Menschen entscheiden sich dafür, ohne darüber nachzudenken.

Sobald jemand aber die Erfahrung gemacht hat, dass vegane Ernährung gut schmeckt, machbar ist, nicht viel kostet, und so weiter, wird diese Person empfänglicher für Tierrechts-Argumente, da sie nun nicht mehr fürchten muss, etwas zu verlieren. Sie weiß und hat am eigenen Leib erfahren, dass es großartige Alternativen zu Tierprodukten gibt, sodass sie keine Angst mehr hat, zu kurz zu kommen. Nun ist sie auch weniger geneigt, einen Artikel über Tierleid zu ignorieren oder wegzuschauen, wenn im Fernsehen Bilder aus einer Tierfabrik laufen. Sie ist weniger geneigt, diese Dinge einfach abzutun.

Ich will mit einem konkreten Beispiel illustrieren, wie das Verhalten auf unsere Überzeugungen wirkt. Stellen sie sich einen Stierkämpfer und einen Arbeiter im Schlachthaus vor. Diese beiden Menschen machen im Wesentlichen dasselbe: Kühe töten. Wenn man einen Nicht-Veganer fragt, auf welchen der beiden er wütender ist, lautet die Antwort: der Stierkämpfer. Warum ist das so? Zum Teil liegt das daran, dass viele Menschen Stierkämpfe als sinnlose Gewalt begreifen, während die Schlachtung zur Fleischgewinnung als notwendig aufgefasst wird. Unterhaltung ist in ihren Augen belangloser als Nahrung. Dennoch denke ich nicht, dass dies der Hauptgrund ist. Vielmehr ist folgendes der wichtigste Unterschied: die meisten Menschen haben mit Stierkämpfen nichts zu tun (sie gehen nicht hin und schauen sie sich nicht im Fernsehen an), sind aber in die Schlachtung von Tieren involviert, da sie Fleisch essen. Verhalten beeinflusst Überzeugungen. Es ist sehr viel schwieriger etwas zu verurteilen, was man selbst tut. Aus diesem Grund fällt es vielen Menschen leicht, Pelz zu verdammen, denn sie selbst tragen nie Pelz.

Auch gesundheitliche Gründe können dazu führen, dass die Verhaltensänderung den Sorgen um die Tiere vorausgeht. Die Forschung zeigt, dass in einem großen Teil der Fälle Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen Veganer oder Vegetarier wurden, anfangen, sich für das Tierleid zu interessieren — genau so, wie ich es eben beschrieben habe. Viele „ethische Veganer“ haben als „Gesundheits-Veganer“ angefangen. Ich teile daher nicht die Befürchtung einiger Veganer, dass Gesundheit kein guter Motivator und kein gutes Argument sei, da es weniger „haftet“ (d.h. Gesundheits-Veganer oder -Vegetarier seien eher bereit, aufzugeben). Erstens gebe es ohne das Gesundheitsargument überhaupt sehr viel weniger Vegetarier und Veganer, und zweitens entwickeln sich die Motivationen vieler Menschen mit der Zeit, wie von mir beschrieben. Diese Befürchtung hat ihre Ursache also eher darin, dass wir wollen, dass die Leute das, was sie tun, aus den richtigen Gründen tun. (Andererseits sollten wir den gesundheitlichen Vorteil der veganen Ernährung nicht übetrieben darstellen, und potentielle Risiken sollten erklärt werden)

Inkrementalismus ist wichtig

Wie man vielleicht sehen kann, geht es bei dem oben beschriebenen nicht darum, Menschen sofort vegan zu machen. Indem sie Erfahrungen mit veganem Essen und veganen Produkten machen, ändern sie langsam ihr Verhalten und ihre Überzeugungen und viele werden schließlich vollständige Veganer, der Tiere wegen. Dies soll jedoch nicht heißen, dass diejenigen, die ihren Fleischkonsum lediglich reduzieren, nicht an sich schon wertvoll sind. Im Gegenteil: ich denke, der schnellste Weg hin zu einer veganen Welt wäre, sich auf die Reduktion von Tierprodukten zu konzentrieren (in Kombination mit einer „lebe vegan“ Botschaft, die gezielt an eine bestimmte Zielgruppe unter bestimmten Umständen gerichtet ist). Die Menschen werden eher bereit sein etwas zu tun, wenn wir sie bitten, einen Schritt zu tun, von dem sie sich vorstellen können, ihn tatsächlich zu tun. Vegan zu werden kommt für die meisten Menschen am Anfang nicht in Frage. Dies bedeutet aber nicht, dass Broschüren, Trotzdem oder Individuen, die die Botschaft „Werde vegan!“ verbreiten, nicht hilfreich sind. Vielmehr sollte auch der Aufruf zur Fleischreduktion wahrnehmbar sein, vielleicht noch wahrnehmbarer als der Aufruf, vegan zu leben. Eine große Gruppe von Fleischreduzierern ist die schnellste Möglichkeit, die Nachfrage (und damit das Angebot) nach veganen Produkten zu erhöhen. Je mehr Reduzierer es gibt, desto mehr vegane oder vegetarische Produkte gibt es, und umso einfacher wird es, komplett vegan zu leben. Es ist wichtig, uns daran zu erinnern, dass viele von uns Veganer sind, da es heute sehr viel einfacher ist als früher und dass es sehr viel einfacher ist, da es eine große Zahl an Fleischreduzierern gibt, die vegetarische und vegane Produkte nachfragen (nicht wegen der immernoch recht kleinen Anzahl Veganer).

Fazit

Fassen wir zusammen: neben dem Ansatz, dass Menschen um der Tiere Willen vegan leben sollen, sollte es auch einen Ansatz geben, der sich zunächst auf Verhaltensänderungen konzentriert. Der Wandel im Verhalten kann aus allen möglichen Gründen geschehen (Gesundheit, Verfügbarkeit guter Alternativen…) und in verschiedenem Ausmaß (Fleischreduzierer, Vegetarismus, Veggie Day…). Genauso wie die Motivationen der Menschen sich entwickeln können, kann sich auch die Häufigkeit des Fleischkonsums entwickeln. Eine große Zahl von Fleischreduzierern erhöht das Angebot und macht es daher für alle einfacher, Veganer zu werden. Wenn vegane Produkte überall verfügbar sind, und erst recht wenn sie die naheliegendste Option werden, wird es sehr viel einfacher, die Tierrechts-Botschaft unter das Volk zu bringen, da zu diesem Zeitpunkt sowohl die Individuen als auch die Gesellschaft als ganzes weniger von Tierprodukten abhängig sein werden. Daraus folgt auch, dass es zum jetzigen Zeitpunkt sehr wichtig ist, sich darauf zu konzentrieren, großartige Tierprodukt-Alternativen zu schaffen, sowohl im Supermarkt, als auch im Restaurant.

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3 Kommentare zu „Die Veganisierung der Welt: Eine mögliche Strategie“

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